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Die Bank bestimmt den Kaufpreis

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Holger Wassermann

Wenn es um die Unternehmensnachfolge geht, müssen sich viele Unternehmer mit Fragen auseinandersetzen, die sie sich vorher vielleicht nie oder nur selten gestellt haben. Eine dieser Fragen ist wahrscheinlich die nach dem Firmenwert. Dabei interessiert den Unternehmer eigentlich gar nicht der  Unternehmenswert , sondern vielmehr der Preis, den er durch die Nachfolge erzielen kann.

Und da wird es spannend. Denn etliche Übergeber glauben, sie könnten einfach einen Preis aufrufen, der dann gezahlt wird. Überhöhte Preisvorstellungen sind einer der häufigsten Gründe für gescheiterte Nachfolgen. Dabei werden häufig zwei Punkte übersehen:

  1. Der Preis wird nicht vom Verkäufer bestimmt, sondern zwischen den Parteien ausgehandelt. Wenn der Übernehmer nicht bereit ist, den geforderten Kaufpreis zu zahlen, dann gibt es schlicht und ergreifend keine Nachfolge. (Es sei denn, der Unternehmer sucht sich rasch einen anderen Nachfolger.)
  2. Und selbst wenn der Übernehmer bereit ist, den Kaufpreis zu zahlen, so muss er es nicht nur wollen, sondern auch noch können. Das heißt, dass letztendlich der Kaufpreis nicht höher sein kann als das, was der Nachfolger finanzieren kann. Somit sitzt die Bank immer mit am Tisch.

Das soll nun aber nicht heißen, dass sich Unternehmer gar nicht um den Wert ihrer Firma kümmern sollten. Er kann bereits bei der Vorbereitung der Nachfolge an ein paar Dinge denken, auf die Banken besonders achten und so für einen höheren Preis sorgen. Und da sind wohl - neben vielen anderen Dingen der Betriebsführung - zwei Faktoren besonders ausschlaggebend: die noch verfügbare Verschuldungskapazität der Firma und das Betriebsergebnis.



Die magische Grenze – die freie Verschuldungskapazität

"Wenn ein Nachfolger einen Betrieb kauft, so muss er doch den Kaufpreis zahlen. Was haben denn die Schulden der Firma damit zu tun?" werden Sie nun vielleicht fragen. Diese Frage ist sehr gut. Denn in gar nicht so vielen Büchern zur Unternehmensbewertung werden Sie dazu eine Antwort finden. Mit der Unternehmensbewertung hat es nämlich nur bedingt was zu tun.

Die Bank, welche in den meisten Fällen der Nachfolge den Kaufpreis durch einen Kredit finanzieren soll, denkt hier folgendermaßen: Der Nachfolger arbeitet später komplett im Betrieb, das heißt, dass er auch nur noch von dort Einkommen erzielen wird, aus dem er den Kredit für den Kaufpreis zurückzahlen kann. Er kann sich also nur eine Kreditrate leisten, die so hoch ist wie der Betrag, den er dem Unternehmen durch Entnahme oder Geschäftsführergehalt entziehen kann. Oder anders ausgedrückt: Letztendlich muss die Firma ihren eigenen Kaufpreis zahlen.

Wie viel Kredit sich ein Betrieb noch leisten kann, benennt und berechnet jede Bank oder Sparkasse ein wenig anders, aber letztendlich läuft es meistens darauf hinaus, dass abgeschätzt wird, welchen Betrag die Firma für den Schuldendienst (Rückzahlung + Zinsen) regelmäßig aufbringen kann.

Dieser Wert nennt sich Verschuldungskapazität und wird häufig als Vielfaches des EBITDA berechnet. Der EBITDA ist das Betriebsergebnis (EBIT) plus den Abschreibungen. Nicht selten liegt aus Sicht der Kreditinstitute die Verschuldungskapazität bei dem 5- oder 6-fachen des EBITDA. Rechnen Sie sich doch mal Ihre eigene Verschuldungskapazität aus!

Von der Verschuldungskapazität ziehen Sie nun die Schulden gegenüber Bank, Gesellschaftern und Dritten ab, und erhalten so die noch freie Verschuldungskapazität.

So viel Kredit könnte die Firma noch aufnehmen, und damit ist der Preis in etwa so hoch wie die freie Verschuldungskapazität plus den Eigenmitteln, die der Nachfolger mitbringt. Damit ist auch klar, wie der Unternehmer etwas für einen höheren möglichen Kaufpreis tun kann: je höher das EBITDA ist, umso besser. Und je weniger Schulden die Firma hat, umso weniger Verschuldungskapazität wird schon vorher "verbraucht".



EBIT-Multiples

Während die freie Verschuldungskapazität eine Obergrenze für die Finanzierung durch die Bank oder Sparkasse darstellt, gibt es eine zweite Obergrenze durch die häufig fehlenden Sicherheiten. Da viele Nachfolger über keine großen Vermögen verfügen, springen häufig die Bürgschaftsbanken ein und übernehmen einen Großteil der Besicherung des Kaufpreiskredits. Daher hat auch die Bürgschaftsbank ein Wörtchen bei der Kredithöhe mitzureden, denn sie muss dann ja im Zweifel dafür einstehen.

Für Firmenkäufe gibt es verschiedene Tabellen mit sogenannten Multiples. Diese geben wieder, welche Kaufpreise in letzter Zeit für Unternehmen einer Branche gezahlt worden sind, und das Ganze meist bezogen auf das Betriebsergebnis (also wieder das EBIT). Während in den Tabellen häufig Werte zwischen 5 und 8 aufgeführt werden, "fühlen sich die Bürgschaftsbanken bei Multiplikatoren von 3,5 bis 4,5 wohl", wie es der zuständige Abteilungsleiter einer der Bürgschaftsbanken auf dem nexxt day in Berlin formulierte.

Damit ist jetzt klar, dass der Preis zwei Obergrenzen hat:

  1. (EBITDA x 5) – aktuelle Kredite
  2. EBIT x 4

Rechnen Sie sich die Werte für Ihre Firma einfach mal aus, für EBIT und EBITDA nehmen Sie am besten die Durchschnittswerte der letzten 3 Jahre. Wenn die Werte fallend sind – nur die des letzten Jahres.

Einen (deutlich) höheren Preis werden Sie nicht erzielen können, denn der Nachfolger wird einen höheren Preis nicht finanzieren können. Sie brauchen sich also gar nicht viele Gedanken darüber machen, wie viel Zeit und Energie Sie in den Betrieb gesteckt haben und welches Potenzial die Firma vielleicht hat.

Kümmern Sie sich im Vorfeld der Nachfolge lieber um ein hohes Betriebsergebnis und eine geringe Verschuldung.

Ich hoffe, dieser Beitrag hilft Ihnen als Unternehmer, den Kaufpreis nicht mehr so sehr als Hürde in der Nachfolge zu sehen.



Über den Autor

Prof. Dr. Holger Wassermann ist wissenschaftlicher Leiter des KCE KompetenzCentrum Entrepreneuership & Mittelstand der FOM Hochschule. Auch ist er Inhaber einer Professur für Rechnungswesen und Controlling an der FOM Hochschule.

Mit dem  Unternehmer Radio hat er ein Projekt ins Leben gerufen bei dem Alt-Inhaber, Nachfolger und Experten zum Thema Unternehmensnachfolge und Digitalisierung interviewt werden und als Podcast frei zugänglich sind. Der Fokus bei diesem Projekt liegt auf Inspiration liefern, sowie Wissen vermitteln.

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